Bosna i Hercegovina: 1813. - 1826.
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Format: | Buch |
Sprache: | Bosnian |
Veröffentlicht: |
Tešanj
Planjax
2006
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Ausgabe: | 3. izd. |
Schriftenreihe: | Biblioteka Logos
4,5 |
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Dr. Galib
Šljivo
SADRŽAJ
PREDGOVO
R
............................................................................................5
BOSANSKI EJALET
1813. -1826................................................................13
PRVI NEMIRI U BOSNI
(1813. - 1814.).......................................................45
SULEJMAN-PAŠA SKOPLJAK U BOSNI
UNUTRAŠNJI RAZDORI
..............................................................................85
SUKOBI SULEJMAN-PAŠE SKOPLJAKA
S
BOSANSKIM PRVACIMA
......................................................................123
ODLAZAK IZ BOSNE SULEJMAN-PAŠE
SKOPLJAKA
.................................................................................................163
NESREĐENE PRILIKE I NEODLUČNI
VALIJA
...........................................................................................................181
PORTIN
MUBAŠIR U BOSNI
.....................................................................215
UNUTRAŠNJE RAZMIRICE.
RJEŠAVANJE GRANIČNIH SPOROVA
...................................................257
SEID
ALI DŽELALUDDIN-PAŠA U
BOSNI
.............................................................................................................287
GRČKI USTANAK I PRIPREMA ZA RAT
...............................................351
ISTRAGA BOSANSKIH PRVAKA. BUNA
U BOSANSKOJ KRAJINI
............................................................................371
Z
А К
LJ U
Č
А К
..........................................................................................429
SCHLUßFOLGERUNG................................................................................439
R J E Č N I K
..................................................................................................451
REGISTAR OSOBNIH IMENA
...................................................................461
439
Dr. Galib
Šljivo
SCHLUßFOLGERUNG
Die
Ereignisse im Bosnischen Ejalet zwischen 1813 und
1826 zeigen, daß diese Provinz des Osmanischen Reiches zu
jener Zeit ständig durch innere Unruhen und Aufständen
erschüttert wurde. Ihre Lage gegenüber der Außenwelt war durch
den Raum von der Drinamündung in die
Save
bis zum
Dubrovniker Territorium begrenzt, so
dass
Bosnien und die
Herzegowina von Lern umgeben waren, die zur Habsburger
Monarchie gehörten. Deshalb ist es ganz verständlich,
dass
die
Regierung in Wien großes Interesse für Geschehnisse im
Bosnischen Ejalet zeigte und sie somit von Tag zu Tag anhand
ihrer Grenzkommandos, sowie ihrer Späher, aber auch all jener
Beziehungen, die die österreichischen
Konsule
in
Travnik
zwischen 1808 und 1821 mit der bosnischen Führungsschicht
angeknüpft hatten, verfolgte. Österreich zeigte in dieser Zeit noch
kein unmittelbares politisches Interesse für das Territorium des
Bosnischen Ejalets, und es gibt auch keine Nachrichten, die
440
Bosna i
Hercegovina
1813.-1827.
solche Absichten bezeugen würden. Der Monarchie war es
damals wichtiger,
dass
an allen Grenzen Ruhe und Frieden
herrschten, damit sich der Warenaustausch und der Reiseverkehr
ohne Schwierigkeiten vollziehen konnten. Die Hauptprobleme
allerdings, die Österreich bezüglich der Türkei lösen musste,
stellten Grenzunruhen dar, die sowohl österreichische als auch
von osmanische Grenzbeamte hervorriefen, um Plünderungen
vornehmen zu können, jene wurden jedoch vorwiegend von
österreichischen Deserteuren, die von der kroatischen
Militärgrenze in die Türkei flüchteten, für Diebstähle und andere
Auschreitungen, bei denen sie den Schutz durch bosnische
Hauptmänner ausnutzten, wahrgenommen. Die töglichen
Kontakte verschiedener Vertreter der österreichischen Behörden
mit den Repräsentanten des osmanischen Regimes und den
Edelleuten im Bosnischen Ejalet hatten zur Folge,
dass
die
Berichte nach Wien außerordentlich umfangreich wurden und
davon zeugten, was Tag für Tag im Bosnischen Ejalet vor sich
ging·
Zentrale osmanische Behörden in Konstantinopel hielten
das Bosnische Ejalet weiterhin für eine ihrer Provinzen, in denen
keine besonderen Maßnahmen eingeleitet werden müssten. Die
Wesire in Bosnien wurden regelmäßig alle zwei bis drei Jahre
abgesetzt. Das waren Männer unterschiedlicher Herkunft und
häufig mit solchen Charaktereigenschaften behaftet,
dass
sie den
bestehenden Umständen in Bosnien und Herzegowina nicht
entsprachen. Das Rechtswesen, die Finanzmärkte und die Armee
Bosniens waren weiterhin unmittelbar mit Konstantinopel
verbunden, das seine Bemhungen ständig dahin richtete, den
gesamten Justiz-und Militärapparat im Bosnischen Ejalet seinen
Wünschen und seiner Politik vollkommenzu unterwerfen.
Trotzdem änderten sich die Verhältnisse schnell, so
dass
die
441
Dr. Galib
Šljivo
türkischen Machthaber immer häufiger zu besonderen
Maßnahmen greifen mussten, um im Bosnischen Ejalet ein
Regime zu erhalten, das ihnen am besten zusagte.
Einige bosnische Wesire stammten aus entfernten
türkischen Provinzen und waren mit der inneren Situation
Bosnien nicht ausreichend vertraut. Ihre Verwaltungszeit in
Bosnien blieb ohne Erfolg, vor allem in Fällen, bei denen es sich
um Männer handelte, die nicht jene Fähigkeiten aufwiesen, die
der Dienst als Statthalter des Sultans verlangte. Ein solcher war
zum Beispiel Seid Mahmed Ruschdi Pascha. Unzureichende
Fähigkeit als Statthalter in Bosnien zeigte auch Derwisch Mustafa
Pascha, der Sohn von Mustafa Pascha, dem Belgrader Wesir am
Übergang vom XVIII zum XIX Jahrhundert, den die Dahis
wegen Verfechtung der vom Sultan eingeführten Reformen 1801
ermordeten. In manchen Augenblicken sah es so aus als wollte
die Hohe Pforte die Situation im Bosner Verwaltungsbezirk durch
Einsetzung eines Wesirs mit einheimischer Herkunft regulieren.
Allerdings verlor einer von ihnen,
Suleiman
Pascha Skopljak, der
sich im Belgrader Paschalik nach der Niederschlagung des ersten
serbischen Aufstandes durch gnadenlose Strenge hervogetan
hatte, auf heimischem Boden jegliche Autorität. Sein Ansehen
wurde durch die eigenen Söhne, die selbst hohe Positionen
inne
hatten, mit ihrem unangemessenen Verhalten untergraben und
bosnische Hauptmänner und andere Machthaber wiederum
wussten jede seiner Schwächen auszunutzen, um die eigene
Macht noch mehr zu stärken. Schließlich entsandte die Hohe
Pforte 1820 einen Mann, dem im Bosner Paschalik alles fremd
war, und der sich nur bemühte, die politische Ausrichtung und
Anordnungen seiner Regierung auszuführen. Das war der
berühmte Seid Ali Djelal Pascha, der man als Djelaludin-Pascha
traditionell in Erinnerung blieb, ein Mann von großer Strenge, oft
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Bosna i
Hercegovina
1813.-1827.
äußerst roh und gnadenlos, der mit eiserner Hand durchgriff. Er
gehörte dem Bektaschi-Orden an, entsagte also jedem Reichtum
und Ruhm, nur um Befehlen des Sultans Folge zu leisten und im
Land für Ordnung zu sorgen. Djelal Paschas Verwaltung
Bosniens von 1820 bis 1822 kennzeichnet den Beginn der großen
Abrechnung zwischen türkischen Zentralbehörden, die
versuchten die Reformen des Sultans durchzuführen, und dem
konservativen bosnischen Adel. Der Kampf fing an, als der
Pascha begann, die angesehensten Bosnischen Häupter zu
liquidieren, um die übrigen zum Gehorsam zu zwingen. Diese
reagierten bald darauf mit noch stärkeren Unruhen und offener
Empörung, was die Hohe Pforte zu ihrer Ausrottung veranlasste.
So begann schon zur Regierungszeit von Djelal Pascha jener
stürmische Prozess, aus dem Bosnien und Herzegowina
geschlagen und eines Teils ihrer Führung beraubt, hervorgehen
würden.
Die herausragendsten Gestalten auf der Bühne des
Bosnischen Ejalet waren in der Zeit von 1813 bis 1826 jene
Hauptmänner, welche die gesamte Verteidigung des Landes
besorgten, die meisten von ihnen waren im bosnischen
Grenzgebiet versammelt. Sie waren sich der Tatsache bewusst,
dass
sie mit der Verteidigung der am meisten gefährdeten Provinz
des Osmanischen Reiches gleichzeitig auch den Schutz der
eigenen Heimat übernahmen. Nach Berichten der
österreichischen
Konsule
und Militärgrenzbehörden unterteilten
sie sich in solche die ihre Pflicht in Übereinstimmung mit den
Vorschriften der Hohen Pforte und deren Abgesandten im Bosner
Paschalik erfüllten, und jene, die zwielichtigen Landstreichern
und Räubern ermöglichten, zu Raubzügen in das benachbarte
österreichische Territorium einzufallen. Dieses ungünstige Bild,
das die österreichische Berrichterstattung liefert, ist sicher
443
Dr. Galib
Šljivo
übertrieben und manchmal auch böswillig, dennoch bleibt die
Tatsache,
dass
es im bosnischen Grenzgebiet Leute gab, wie z. B.
Hasanaga
Pećki,
die nicht nur eine lange Zeit als Initiatoren von
Unruhen wirkten, sondern auch ihrem Herrn, dem Sultan, und
seinem Statthalter in
Travnik
abtrünnig waren. Dies kann
darüberhinaus deshalb als Fakt akzeptiert werden, weil die
österreichischen Informanten selbst zugaben,
dass
viele aus dem
Gebiet des kroatischen Grenzdistrikts desertierten und auf die
osmanische Seite überliefen, um sich dort dann dem Diebstahl zu
widmen. Überdies lässt sich die Schlussfolgerung, die aus den
österreichischen Berichten,
dass
die Hauptmänner von Bosnien
und der Herzegowina untereinander nicht einig waren, und sie
nur in Ausnahmefällen, wenn es die Interessen diktierten,
gemeinsam handelten, hervorgeht, nicht bestreiten. Ihr Verhalten
hing in vielem von der Politik der bosnischen Statthalter ab, die
mit Begünstigungen oder Strenge einen Teil für sich gewannen,
den anderen aber zurückstießen, all dies zeigte jedoch keine
Beständigkeit, die zur Bildung einer bosnisch-herzegowinischen
Anführerschaft ob im Sinne der Hohen Pforte oder gegen diese
hätte kommen können. Es bestehen fast keine Nachrichten
darüber,
dass
die bosnisch-herzegowinischen Hauptmänner oder
andere Angehörige der Feudalschicht wegen Gütern oder
Lehnsbauern untereinander in Konflikt geraten wären. Solche
Informationen stammen lediglich aus der Herzegowina, wo man
gegenseitiges Ringen um fruchtbarem Boden verzeichnete. Allem
Anschein nach kam es persönlichen Prestiges und gegenseitiger
Intoleranz wegen zu diesen Ausschreitungen. Das Streben nach
Ansehen und einem Platz in der inneren Hierarchie, sowie
familiäre Beziehungen und persönliche Unverträglichkeit waren
Ausgangspunkt für viele Mißverständnisse und Konflikte.
Allerdings solllten weder diese Faktoren noch die Erscheinungen,
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Bosna i
Hercegovina
1813.-1827.
die jene verursachten, überdimensionalisiert und betont werden,
sondern innere Konflikte unter den bosnisch-herzegowinischen
Adligen, besonders unter den Hauptmännern, die in erster Linie
als Unreife eines Standes gemeinsam auf die historische Bühne
zu treten, sowie deren Schwanken, entweder der Hohen Pforte
ergeben zu bleiben oder als ihre Hauptaufgabe die Verteidigung
ihrer Heimat und deren Interessen anzunehmen, intepretiert
werden müssen Im Übrigen blieb dies auch in den
schicksalhaftesten Augenblicken, in der Zeit des durch
Hauptmann Husein
Gradaščević
geführten Aufstands, ein
Merkmal des bosnisch-herzegowinischen Adels, was sich auch
kaum änderte bis zum blutigen Heereszug von Omer Pascha
Latas
(1850-1852). In den Ausschreitungen der bosnisch-
herzegowinischen Adligen spiegelte sich jene Beschränktheit
wider, die ihrer Klasse eigen war, also die unzureichende
Fähigkeit der Feudalen in der modernen Epoche eine breite
Bewegung zu schaffen, die über ihren persönlichen Interessen
stehen würde. Gleichzeitig war die Bewegung der bosnisch-
herzegowinischen Hauptmänner und anderer Adligen nicht geeint
genug unter anderem auch deswegen, weil sie sich nach einzelnen
großen Gebieten zusammenschlössen und, auf solche Weise
verbunden, nicht begriffen,
dass
sie gemeinsame Interessen auf
dem Raum des gesamten Ejalets hatten. Eine sehr starke Gruppe
dieser Leute war im bosnischen Grenzgebiet, eine zweite in der
Sava-Ebene, versammelt, doch den größten Wunsch nach
Absonderung zeigten die herzegowinischen
Beis.
Diese Spaltung
prägte kam mit der Zeit immer mehr zur Geltung, so
dass
sie sehr
ungünstige Folgen für den Versuch, den der bosnisch-
herzegowinische Adel unternahm, sich zu einem Aufstand
zusammenzuschließen, hatte, bis hin zu dessen Scheitern.
445
Dr. Galib
Šljivo
In
ihren Berichten schätzen die österreichischen
Konsule
und Spitzel die Lage im Bosnischenr Ejalet in der Periode von
1813 bis 1826 als anarchisch ein. Allerdings machten sie dafür
nicht nur die Hauptleute, ihren Ungehorsam und ihre
gegenseitigen Abrechnungen verantwortlich, sondern auch die
Angehörigen der Janitscharen, und dabei in erster Linie jene, die
die Sarajever Garnison bildeten. Die Janitscharen-Kräfte
verbreiteten sich immer mehr und erfassten auch jene Einwohner,
die nicht vom Krieg lebten, besonders die Mehrzahl der
Kaufleute und Handwerker. Auf diese Weise erhielt die
Janitscharische Organisation weitreichende gesellschaftliche
Ausmaße und strebte immer mehr nach Eigenständigkeit und
wurde dadurch ungehorsamer gegenüber bosnischen Statthaltern.
So entstand in den Städten, vor allem in Sarajevo, eine
Zwietracht, da sich die Bürger immer offensichtlicher in die
Partei der angesehenen Leute, zu der auch die Geistlichkeit
gehörte, und in jene bedeutend zahlreichere, die Partei der
aufständischen Elemente, die bestrebt waren, sich der Stadt
aufzudrängen und sich von der Abhängigkeit von der Zentralen-
und Provinzmacht zu befreien, teilten. Sarajevo verwickelte sich
immer mehr in die Zwistigkeiten unter dem Adel, die im Bosner
Ejalet immer stärker zum Ausdruck kamen, und wurde selbst zum
Mittelpunkt und zum Urheber der Unruhen. Eigentlich
entwickelten sich die Städte in der angeführten Periode zum
Kampfplatz der Abtrünnigen und Aufständischen, die
gefährlicher wurden als die Hauptmänner, so
dass
einige Wesire
ganze Armeen gegen sie in Gang setzten, diese Interventionen
endeten jedoch häufig mit einem Mißerfolg. Im Prinzip lebten die
bosnisch-herzegowinischne Städte, an erster Stelle Sarajevo und
Mostar,
weiterhin wie in alten Zeiten, also nach den Grundsätzen,
die vor allem im XVIII Jahrhundert zum Ausdruck kamen.
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Bosna i
Hercegovina
1813.-1827.
Deshalb wurden diese Städte zum Haupthindernis für die
osmanische Zentralmacht, die Reformen durchführen wollte, so
dass erstere
einen schrecklichen Schlag erlitten. Im Laufe des
zweiten und dritten Jahrzehnts des XIX Jahrhunderts bereitete
man jene Aktionen vor, die zur Aufhebung und Vernichtung der
Janitscharen im Jahre 1826 führten.
Es gibt nur unzureichende Informationen über die
Bewegungen der niederen Schichten der muslimischen und
christlichen Bevölkerung in dieser Periode. Viele Dokumente
zeugen davon,
dass
dem Volk die Waffen abgenommen wurden,
und man die Abgaben in der Zeit erhöhte, wenn man die Armee
zusammenstellte oder die Städte erneuern musste. Das geschah
auch weil sich in den Truppen der bosnischen und
herzegowinisehen Hauptmänner, besonders in jenen Gruppen, die
sich um die osmanischen Abtrünnigen sammelten, vielleicht in
größerer Anzahl Christen als Moslems befanden. In den
Verzeichnissen der osmanischen Garnisonen, die im gesamten
Bosnischen Ejalet angelegt wurden, sind ebenso viele Moslems
bzw. Christen verzeichnet, wie es der Glaubenszusammensetzung
der Bevölkerung in diesen Gebieten entsprach, aber es scheint,
dass
dies eine kurzzeitige Erscheinung infolge des
Übergangscharakters dieser Periode, aber der Natur und des
Inhalts der Quellen, die darüber Zeugnis ablegen, war. Die ersten
Aufstände der christlichen Bevölkerung, zu denen es Anfang der
dreißiger Jahre des XIX Jahrhunderts kam, hatten trotzdem
vorwiegend den Charakter von Bauernaufständen. Deswegen
ziehen im Zeitabschnitt von 1813 bis 1826 jene Nachrichten die
größte Aufmerksamkeit auf sich, die über die sich
verschlechternde Lage der Bauernschaft aufgrund der immer
höheren Abgaben sprechen, obwohl das bei weitem noch keine
aufständischen Bewegungen hervorrief. Im Gegenteil, die
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Dr. Galib
Šljivo
Informationen, die davon zeugen,
dass
das Volk in größerem
Maße von der österreichischen Seite zur osmanischen
übersiedelte als umgekehrt, sind nicht selten. Obwohl die Lage im
Bosner Ejalet häufig instabil war, und die Provinz von
Aufständen erschüttert wurde, fand der Handel mit dem
benachbarten Österreich fast regelmäßig und zum Nutzen der
bosnischen Bevölkerung statt, da der Wert des Exportes auch
weiter den der eingeführten Waren überschritt, Die Grenzlage des
Bosnischen Ejalets und die besondere Rolle, die seine
Bevölkerung, allen voran der Adel und die Janitscharen-
Garnisone, spielte, sind ein Faktor, der uns erlaubt, eingehender
über die internationale Lage des Ejalet in der Periode zwischen
1813 und 1826 zu sprechen. Der Erste und Zweite serbische
Aufstand, ferner der Aufstand der Griechen und die
Abtrünnigkeit einzelner osmanischer Statthalter, sowie
schließlich das immer aktivere Engagement Rußlands bei der
Lösung der Ostfrage bindeten Bosnien und Herzegowina in die
Unruheherden und zeitweise in die Eröffnung von
Kriegsschauplätzen östlich der
Drina
und ihrer Zuflüsse mit ein.
Allerdings spiegelte sich die damalige inernationale Situation des
Bosnischen Ejalets vor allem darin wider,
dass
es zum größten
Teil an Territorien grenzte, die zu Österreich gehörten. Das
Osmanische Reich war durch die Beschlüsse des Wiener
Kongresses und die Politik der Heiligen Allianz geschützt.
Österreich selbst mischte sich noch nicht in die osmanischen
Angelegenheiten ein, da es nach Erlangung neuer Gebiete strebte.
Seine damalige Propaganda im Bosnischem Ejalet wäre
unbeachtet geblieben, wenn nicht sein schützendes Verhältnis
gegenüber der katholischen Bevökerung aufgefallen wäre. Die
österreichischen
Konsule
in
Travnik
waren oft in Kontakt mit den
bosnisch-herzegowinischen Spitzen, wobei man eher sagen
448
Bosna i
Hercegovina
1813.-1827.
könnte,
dass
es ihnen dabei mehr um deren Versöhnung ging als
darum, sie zu auf irgendeine Weise zu spalten. Konflikte gab es
trotzdem, meistens in den Grenzgebieten, und auf diese
beschränken sich fast die gesamten Beziehungen zwischen der
österreichischen Diplomatie und der Hohen Pforte, wenn es um
den Bosner Ejalet in dieser Zeit geht. Die Ursachen für diese
Konflikte waren vielfältig, lassen sich aber folgendermaßen
zusammenfassen: 1. Streben der bosnischen Hauptmänner
danach, bestimmte Städte und Territorien zurückzugewinnen, die
Bosnien auf Grundlage der Beschlüsse des
Svištover
Friedensvertrages 1791 und des Wiener Kongresses 1815
verloren hatte; 2. Gewährleistung des Schutzes öserreichischer
Deserteure durch bosnische Hauptmänner und deren
Raubüberfälle auf das Gebiet des kroatischen Militärdistrikts; 3.
Auftreten mächtiger Abtrünnniger innerhalb der Hauptmänner,
die selbst solche Überfälle organisierten; 4. Störung des
Handelsverkehrs und Gefährdung des Grenzhandels; 5. Versuch
von Seiten des Osmanischen Reiches, die Bevölkerung, die in den
benachbarten österreichischen Gebieten, besonders in
Dalmatien,
zeitweise vom Hunger bedroht war, nach Bosnien zu bringen.
Österreichische
Konsule
und Befehlshaber auf dem
Territorium des Militärdistrikts waren bestrebt, sich bei der
Lösung dieser Fragen auf die Vermittlung der österreichischen
Diplomatie zur Hohen Pforte zu stützen oder griffen noch
häufiger zu unmittelbaren Verhandlungen mit den bosnischen
Statthaltern. Um weitere Grenzunruhen zu verhindern, forderten
die österreichischen Unterhändler in den meisten Fällen
Entschädigungszahlungen oder beschwerten sich über einzelne
Gewalttäter, besonders über Hasanaga
Beširević-Pećki.
Obwohl
viele der damaligen österreichischen Berichte als vertraulich oder
geheim gekennzeichnet waren, kann man trotzdem nicht
449
Dr. Galib
Šljivo
behaupten,
dass
die
Konsule
in
Travnik
oder irgendjemand von
Wiener Seite gefährliche Intrigen mit der Absicht spann, einige
der Unruhestifter zu liquidieren oder Vergeltungsmaßnahmen
größeren Umfangs gegen die Träger der Anarchie zu
unternehmen. Als Seid Ali
Dželaluddin
Pascha mit seiner
berüchtigten Ausrottung der bosnischen Häupter begann, war das
österreichische Konsulat in
Travnik
bereits geschlossen. Aller
Wahrscheinlichkeit nach waren sowohl diese Vergeltung als auch
jene, die in späterer Zeit erfolgten, in überwiegendem Maße eine
innere Angelegenheit des Osmanischen Reiches und seiner
Beziehungen zu dem immer unruhigeren Bosnischen Ejalet. Die
übrigen europäischen Staaten, die zur Zeit Napoleons Interesse
für die europäische Türkei besonders hinsichtlich des Handels
zeigten, hatten in der Periode von 1813 bis 1826 vorwiegend
andere Interessen. Diese begannen sich in erster Linie in
folgender Zeit, nach dem Pariser Friedensvertrag 1856, politisch
in Richtung Bosniens zu richten.
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